Drei kreisförmig organisch zusammengefügte Fahrräder aus patiniertem Stahl mit Details aus Edelstahl: Die Idee für die neue Skulptur im Stukenbrokpark in Einbeck, die am Freitag eingeweiht wurde, stammt von Henry Schwerdtfeger. Der 2021 verstorbene Goetheschüler hatte 2019 bei einem Wettbewerb „Kunst im Park“ mit seinem vom Einbecker Fahrradpionier August Stukenbrok inspiriertem Entwurf „Räder“ gewonnen. Umgesetzt wurde die 3,20 Meter hohe und vier Meter breite Skulptur auf einem 1,80 Meter hohen Metallwand-Sockel seit 2024 durch den Bad Essener Künstler Dirk Höller.
Die Skulptur sei nicht einfach ein weiteres originelles und auffälliges Kunstobjekt in Einbeck, sagte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek bei der Einweihung. „Sie erinnert uns vielmehr täglich an Henry Schwerdtfeger, der ein so hoffnungsvoller und kreativer Junge war und der keine Chance hatte, seine Talente in einem langen Leben zu entfalten.“
Ein erster Prototyp wurde 2020 aus fünf Fundfahrrädern von Dietmar Bartels und Ulrich Göllner gebaut, der seit 2021 im Innenhof des Stadtmuseums steht. Weil diese erste Skulptur mit beweglichen Teilen ein Verletzungsrisiko beinhaltete, beschloss der Ausschuss für Kultur, Schule und Sport 2022, den Auftrag an einen professionellen Künstler zu vergeben. Die jetzt eingeweihte Skulptur lässt sich nicht bewegen. „Die aufwändige Anfertigung erklärt nur zu einem Teil die Bedeutung, die diese Skulptur für Einbeck bzw. für diesen zentralen Ort der Stadt einnimmt“, sagte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek. „Mit der Skulptur verknüpft ist die tragische Geschichte eines Schülers, auf den das hier alles zurückgeht.“ Vordergründig sichtbar sei die Fahrradskulptur ein Beitrag zur Stadtgeschichte mit Bezug zur Fahrradstadt. Die Bürgermeisterin wünschte sich, dass alle an der Skulptur vorbei gehenden Menschen aber auch an Henry denken und erinnert werden, „dass wir mit all unseren Fähigkeiten unsere Zeit bestmöglich leben und nutzen sollten“.
Die handwerkliche Umsetzung der Planungsskizze war aufwändig, dauerte entsprechend lange. Dirk Höller aus Bad Essen entwickelte auf Basis der Pläne von Henry Schwerdtfeger seit 2024 eine für den öffentlichen Raum geeignete Fahrradskulptur mit einer Gesamthöhe von fünf Metern, die etwa 40.000 Euro kostete. Ende 2025 traf die Skulptur in Einbeck ein. Ein Drittel der Kosten werden von der Stadt Einbeck getragen, der Rest stammt von der Walter-und-Waltraud-Schmalzried-Stiftung innerhalb der Bürgerstiftung Einbeck sowie der AKB-Stiftung und privaten Spendern. Statiker Gerd Schwerdtfeger stellte seine Expertise unentgeldlich zur Verfügung, die Größe der Skulptur erforderte einen Bauantrag mit allen entsprechenden Formalitäten.
Die gesamte Familie Schwerdtfeger habe sich gekümmert und einen nennenswerten Anteil an der Realisation, dankte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek. „Heute steht hier sein Werk, kein Entwurf mehr, kein Prototyp mehr – eine Skulptur, die bleibt“, freute sich Viktor Schwerdtfeger im Namen der Familie. „Henry, ich bin sehr stolz auf Dich“ – seine letzten Worte an seinen verstorbenen Bruder hätten auch heute Gültigkeit. Henry habe die Geschichte der Stadt erkannt und habe sie in etwas Neues übersetzen wollen. Die Familie dankte der Stadt Einbeck, allen großzügigen Spendern und allen, die im Hintergrund angepackt und „beim Feinschliff bis zuletzt“ tätig gewesen seien. „Ohne sie wäre dieses Fahrrad nie gefahren“, würdigte Viktor Schwerdtfeger. Henrys Skulptur sei ein Baustein in einem wachsenden Ensemble von Skulpturen („Mobiliät“ vor dem PS-Speicher, „Von Null bis unendlich“ vor der Marktkirche, „1 und 1“ im Stukenbrokpark), das erzähle, woher die Stadt Einbeck komme, was sie trage und wohin sie fahre. Der Künstler Dirk Höller habe den Schülerentwurf auf Papier in ein Werk übersetzt, „das künstlerisch wie handwerklich Bestand hat, er hat der Idee einen Körper gegeben“.
Viktor Schwerdtfeger kritisierte aber auch den langen Weg der Realisierung, „sieben Jahre, die so nicht hätten sein müssen“. Der Entwurf seines Bruders sei 2019 von der Jury ausgewählt worden, weil er zu diesem Ort passe: Fahrrad, Stukenbrok und der Park. Mehr gehöre nicht zur Idee. Gerade weil der Entwurf so passgenau gewesen sei, hätte er es verdient gehabt, seinen Weg schneller zu finden. „Es wurde diskutiert, zu lange, zu gründlich“, kritisierte Viktor Schwerdtfeger. Henrys Idee habe sich von Sitzung zu Sitzung durcharbeiten müssen, „geprüft, verschoben, hinterfragt und neu verhandelt“. „Was fehlte, war nicht die Sorgfalt, was fehlte, war die Initiative, der Mut, eine Idee zu tragen, nicht nur zu begleiten.“ Die Grundidee sei im Prozess zu oft kleingeredet worden. Und schlussendlich sei mit dem Künstler Dirk Höller und den Beteiligten abgesprochen gewesen, dass die Skulptur nicht parallel zum Weg, sondern die Besucher des Parks empfangend aufgestellt werden sollte. „Wir hoffen, dass sich dafür noch eine Lösung finden lässt“, sagte Viktor Schwerdtfeger.

