Ein Minus war vorhergesagt worden, und es ist für die traditionsreichen Bierbrauer auch ein deutliches Minus – dennoch ist es am Ende nicht so groß wie noch vor Monaten befürchtet. Der eingeschlagene Sparkurs der Einbecker Brauhaus AG zeigt offenbar erste Wirkung. Das Geschäftsjahr 2025 schloss das Unternehmen mit einem Minus von 1,7 Millionen Euro ab, davon sind 700.000 Euro Restrukturierungskosten. Das teilte die börsennotierte Brauerei heute nach einer Sitzung des Aufsichtsrates in einer Mitteilung für die Aktionäre mit. In seiner Gewinnwarnung von August vergangenen Jahres war das Unternehmen noch von einem Fehlbetrag von bis zu 1,3 Millionen Euro ausgegangen, auf diese Summe müssten die Restrukturierungskosten noch hinzugerechnet werden.
Das Einbecker Brauhaus muss sparen. Personalkosten, Marketing und Vertriebsbudgets sind schon vor Monaten reduziert worden, von 22 Mitarbeitern hat sich das Unternehmen getrennt – meistens, indem befristete Verträge nicht verlängert oder Stellen nicht nachbesetzt wurden, nachdem Mitarbeiter in den Ruhestand gewechselt sind. Aber es gab auch betriebsbedingte Kündigungen „eine einstellige Anzahl“, wie Vorstand Marc Kerger sagt.
Die Brauerei wird zu einem Getränkeunternehmen umgebaut. „Der Fokus bleibe auf dem Bier, aber wir müssen uns breiter aufstellen, um neue Verwender zu gewinnen“, sagt der Brauhaus-Vorstand, dessen Vertrag im Dezember bis 2029 verlängert worden war. Um an neue Kunden zu kommen, bringen die Einbecker neue Produktkategorien auf den Markt, beispielsweise die Weinschorle „Erwyn“. Oder so genanntes „funktionales Wasser“, oder einen Mate basierten Energydrink namens „Hoppy Energy“. Wichtig sei aber auch ein Fokus auf alkoholfreie Biere und Biermischgetränke wie Blutorange 0.0%, weitere Null-Bock-Sorten und auch Headbanger Zero. „Wir sind mittendrin in der Transformation und richten unsere Organisation neu aus“, sagt Marc Kerger.
Das Jahresergebnis 2025 wurde durch Aufwendungen für bereits durchgeführte und noch anstehende Transformationsprojekte, insbesondere im Personalbereich, sowie durch Abschreibungen und Buchwertkorrekturen belastet. Der Bierabsatz reduzierte sich im Vergleich zum Vorjahr bei den Eigenmarken um rund acht Prozent, insgesamt sogar um 8,6 Prozent (inklusive Lohnabfüllung). Damit dürften die Einbecker erstmals unter die Absatz-Marke von 500.000 Hektoliter pro Jahr gerutscht sein. Der Geschäftsbericht der Einbecker Brauhaus AG über das Geschäftsjahr 2025 mit allen Zahlen wird am 4. Mai veröffentlicht, die Hauptversammlung der AG steht am 12. Juni an. Vorstand Marc Kerger erwartet im laufenden Geschäftsjahr 2026 eine spürbare Ergebnisverbesserung, allerdings immer noch mit einem negativen Ergebnis im mittleren sechsstelligen Bereich. Erst ab 2027 können nach der aktuellen Planung wieder positive Jahresergebnisse erwirtschaftet werden.
