Mitgliederversammlung: Welche Perspektive hat die InitiativGemeinschaft beim Stadtmarketing?

(c) Foto: Frank Bertram

Über den aktuellen Sachstand der Gespräche über eine Bündelung der Stadtmarketing-Aktivitäten von Einbeck Marketing GmbH und der Stabsstelle PBR (Public and Business Relations) mit den Bereichen Tourismus und Wirtschaftsförderung der Stadt Einbeck hat der Vorstand der Einbeck Marketing InitiativGemeinschaft bei einer Mitgliederversammlung informiert. Entscheidungen über die künftige Rolle des Vereins wurden nicht getroffen; sie sollen im Herbst bei der regulären Mitgliederversammlung fallen. Bis dahin soll der Stadtrat wahrscheinlich am 3. September über die künftige Struktur und Rechtsform des Stadtmarketing in Einbeck entschieden haben. Bei der angesichts des Themas mit rund 30 Anwesenden nur mäßig besuchten Versammlung der Einbeck Marketing InitiativGemeinschaft hat Andreas Schriefers, der Rechtsbeistand der Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland, einen Impulsvortrag zum Thema Entwicklungsperspektiven des Vereins gehalten.

Der Vorsitzende der Einbeck Marketing InitiativGemeinschaft, Christoph Bajohr, stellte den Mitgliedern den neuen Geschäftsführer der Einbeck Marketing GmbH, Kay Weseloh, vor. Zum 1. August wird nach seinen Worten außerdem Leonie Scheer als Assistentin der Geschäftsführung bei der GmbH ihre Arbeit beginnen. Weseloh, der bislang als Eventmanager in der GmbH beschäftigt war, habe sich pragmatisch an die Arbeit gemacht und bereits Impulse in dem kleinen, bald dann wieder dreiköpfigen Team gesetzt. Kay Weseloh räumte ein, als Geschäftsführer habe er nun einen anderen Blick auf die Realität. Intensiv laufen nach seinen Worten die Vorbereitungen für das Eulenfest und den Weihnachtsmarkt. Da sei Einiges zu erwarten, sagte er („ich möchte nicht zu groß trommeln“), ohne allerdings Einzelheiten zu nennen. Einzig: Den Hauptgewinn der Eulenfest-Verlosung habe man am vergangenen Wochenende bei den Einbecker Oldtimertagen vorgestellt. Der neue Geschäftsführer sicherte den Mitgliedern der InitiativGemeinschaft seine volle Aufmerksamkeit zu. „Sie sind der Kern, die Basis meiner Arbeit.“ Sein Job sei auch, diesen Beitrag der Mitglieder sichtbar werden zu lassen. Kay Weseloh wandelte ein Klinsmann-Zitat ab: „Ich möchte Einbeck jeden Tag ein bisschen besser machen.“

Schatzmeister Stefan Beumer präsentierte der Mitgliederversammlung nicht nur die Zahlen des Jahres 2024 und machte deutlich, dass die Mitgliederbeiträge des 110 Mitglieder großen Vereins kaum noch ausreichen, den jährlichen 50.000-Euro-Zuschuss an die GmbH zu leisten. Er sprach deshalb auch von nicht vermeidbaren Beitragserhöhungen, schon mehrfach habe man diese verschoben, aber ohne werde es künftig nicht gehen. Beschlüsse dazu wurden noch nicht gefasst. Einstimmig hat die Versammlung den Vorstand für das Jahr 2024 entlastet.

InitiativGemeinschaft-Vorsitzender Christoph Bajohr berichtete über die Gespräche zur Bündelung der Stadtmarketing-Aktivitäten in den vergangenen Monaten. Von der jüngsten Mitgliederversammlung im November, bei der das geplante „Konstrukt“ vorgestellt wurde, habe er noch eine breite Mehrheit in Erinnerung. Die verschiedenen Themen unter einem Dach zu vereinigen und sich damit neu auszurichten, mache Sinn und sei auch Konsens in der Arbeitsgruppe gemeinsam mit Politik und Verwaltung gewesen. Doch in den zahlreichen Gesprächen über die Form der Konstruktion, über steuerliche und arbeitsrechtliche Aspekte, sei man sich nicht näher gekommen, teilweise habe man sich auch voneinander entfernt, berichtete Bajohr. Mit dem Stadtmarketing-Experten Andreas Schriefers habe man sich externe Hilfe geholt. Die InitiativGemeinschaft verstehe sich als Basis, als Interessenvertretung der Wirtschaft. Und die müsse sich in der künftigen Konstruktion wiederfinden und ihren Einfluss geltend machen können. Das sei in einer GmbH besser möglich als in einem städtischen Eigenbetrieb, in letzterem entferne man sich von den Interessen der Wirtschaft. Der Handel möchte beispielsweise, wenn er seine Interessen anbringen wolle, nicht im Rathaus eine Nummer ziehen müssen. Letztlich funktioniere die Bündelung nur, wenn alle gemeinsam an einem Strang ziehen, Bajohr hofft deshalb auf eine einvernehmliche, überparteiliche Lösung im Stadtrat im September als klares Ergebnis der aktuell laufenden Gespräche in der Ratspolitik.

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Andreas Schriefers. Foto: Frank Bertram

Andreas Schriefers (Düsseldorf), der Rechtsbeistand der Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland, hat in einem rund einstündigen Impulsvortrag Entwicklungsperspektiven des Vereins aufgezeigt. Er spreche bewusst nicht aus der Perspektive des Gutachters der aktuell laufenden Strukturgespräche über die Bündelung des Stadtmarketing in Einbeck, was ihn zum dritten Mal innerhalb von fünf Monaten nach Einbeck führte. Schriefers gab den Mitgliedern mit auf den Weg, ihm fehle zurzeit die inhaltliche Perspektive des Vereins: Welche Ideen sollen verstärkt, welche Projekte weniger umgesetzt werden, welche Ziele soll das Stadtmarketing künftig verfolgen? Der Verein InitiativGemeinschaft könne hier in Zukunft zu einem „Think tank“ werden, sich über Beiräte oder Arbeitskreise einbringen. Die Standortbedingungen in Einbeck seien auch dank privaten Geldes besser als in anderen Orten, sagte Schriefers, der seit 20 Jahren als Rechtsbeistand bei der Bundesvereinigung aktiv ist, die rund 500 Gemeinden und Städte im Stadt- und Standortmarketing vertritt. Einbeck könne größere Schritte gehen als andere Städte, weshalb er appellierte: „Streitet euch nicht um die Rechtsform, sondern macht“. Die Politik sei momentan auch deshalb mit der Entscheidung überfordert, weil ihr der inhaltliche Input aus der InitiativGemeinschaft fehle.

Anmerkung: Der Autor dieses Blogs ist Mitglied in der Einbeck Marketing InitiativGemeinschaft e.V., die 51-prozentiger Gesellschafterin der GmbH ist. 49 Prozent hält die Stadt Einbeck.

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Nur wenige der insgesamt 110 Mitglieder konnte Vorsitzender Christoph Bajohr (stehend) im Saal des Hotels Panorama begrüßen. Foto: Frank Bertram