Weißt Du noch, was ein Mix-Tape ist? Weißt Du noch, wie eine Parkuhr funktioniert, wie eine Bowle schmeckt? Kennst Du noch Autos der Marken Borgward, Auto Union oder Glas? Eine Reise durch Erinnerungen und Geschichten bietet die neue Sonderausstellung „Weißt Du noch? Von Käfern und Käseigeln“ den Besuchern des PS-Speichers. Die Ausstellungsmacher haben auf 900 Quadratmetern und zwei Etagen insgesamt sieben Fahrzeug- und fünf Alltagswelten der vergangenen Jahrzehnte versammelt. Da steht das erschwingliche Coupé des Wirtschaftsaufschwungs neben dem Kleintransporter der späten 1940-er Jahre, da sind in sechs Vitrinen Walkman, Telefone mit Wählscheiben oder „Lurchi“-Malhefte und mechanische Schreibmaschinen zu sehen. Und die Geschichten zu erfahren, die hinter diesen verschwundenen Dingen stecken, die einstmals so beliebt waren. Die Auswahl soll Schlaglichter setzen und Anreize schaffen, in Erinnerungen zu schwelgen, sagte Andrea Schlicht bei der Eröffnung der von den PS-Speicher-Förderfreunden ermöglichten Ausstellung.

Gemeinsam mit Daniel Sternal und Insa Klapproth sowie den erfahrenen Ausstellungsmachern Andy Schwietzer und Matthias Kaluza hat das junge Team um Andrea Schlicht in etwas mehr als einem halben Jahr die Schau konzipiert. Dafür dankte Geschäftsführer Lothar Meyer-Mertel und berichtete über verschiedene Hürden auf dem Weg zur neuen Sonderausstellung in der „Förderwerk“-Halle der Förderfreunde. Zunächst habe man eine Schau zu „75 Jahre Bundesrepublik“ geplant, doch dann kamen Absagen für zentrale Exponate, weshalb die Planungen unter dem Arbeitstitel „Verlorene Schätze“ weiterliefen – bis Ausstellungsleiter Sascha Fillies das Unternehmen verließ und zum verlorenen Schatz wurde, scherzte Meyer-Mertel. Das junge „Rettungsteam“ um Andrea Schlicht aus dem PS-Speicher-Bereich Bildung & Vermittlung habe dann übernommen und den Titel nochmals verändert. Unter dem Motto „Weißt Du noch?“ geht es um Nostalgie, Emotionen und Erinnerungen, die das lebendig halten, was früher einen großen Stellenwert einnahm, heute aber nicht mehr produziert wird oder verhanden ist.
Dr. Günter Diener, geschäftsführender Vorstand der mehr als 900 Mitglieder starken Förderfreunde, eröffnete die Nachfolgeschau von „Klein, aber mein“, die ab 2018 als erste ausschließlich vom Förderverein finanzierte Sonderausstellung zu sehen war. Und wechselnde Sonderausstellungen seien wichtig, Besucher immer wieder in ein Museum wie den PS-Speicher zu locken. Diener dankte wie Meyer-Mertel allen Projektunterstützern und Leihgebern. Zu der neuen Sonderausstellung ist eine Broschüre „Weißt Du noch? Von Käfern und Käseigeln“ erschienen und vor Ort erhältlich. Im Blickpunkt der Schau ist eine Tankstelle aus den 1950-er Jahren zu sehen – nachhaltig und modular nachgebaut, dass sie später einmal ganz oder in Teilen andernorts weiterverwendet werden kann, wenn die mindestens bis 2025 gezeigte Sonderausstellung wieder Geschichte ist.
Matthias Kaluza von Ö-Konzept (Zwickau) stellte bei der Ausstellungseröffnung die sieben Fahrzeugwelten vor, immer mit Blick auf West und Ost. Schließlich sind die Benzinmarken Gasolin und Mobil aus Leuna entstanden, gab es neben der Kreidler auch die Simson. Und war der DKW F9 der Auto Union in Chemnitz bereits 1939 wie der VW Käfer fertig konstruiert, die Entscheidung für die nächst nur militärische Nutzung des KdF-Volkswagen fiel auf das Wolfsburger Modell, der DKW F89 kam erst nach dem Krieg auf den Markt, allerdings nur wenige Jahre, lief nicht so lange wie der VW Käfer. Ein anderer Bereich beschäftigt sich mit Borgward, einer deutschen Automarke, die ideenreich und innovativ war und beispielsweise Pontonkarosserien lange vor Mercedes baute, aber letztlich unwirtschaftlich eine zu große Modellpalette hatte und deshalb wieder vom Markt verschwand. Ein anderer Teil der Ausstellung widmet sich den Heidemann-Werken Einbeck, die nicht nur Fahrräder, sondern zeitweilig auch Leicht-Mofas produzierten und später zum Automobilzulieferer wurden.







