Wenn in etwa einem Jahr die ersten Patienten das neue Strahlentherapiezentrum besuchen können, werden sich für ihre Behandlungen die Wege deutlich verkürzen. „Wir bringen Spitzenmedizin in die Region“, sagte Prof. Dr. Stefan Rieken, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) zur Motivation für den Neubau. Heute war der symbolische erste Spatenstich für die Millionen-Investition am Hang unterhalb des Northeimer Krankenhauses unweit der B3. Hier entsteht ein modernes Praxisgebäude, in dem für die Bestrahlungen ein so modernes Gerät installiert wird wie es auch an der Universitätsmedizin in Göttingen zum Einsatz kommt. Investor und Bauherr des Neubaus ist die SKV Immomed GmbH (Bad Gandersheim) von Jörg Seraphin, Rainer Koch und Dr. Gisbert Vogt. Die UMG wird Mieterin sein und plant nach Angaben von Prof. Dr. Stefan Rieken für April 2025 mit dem Start der Behandlungen in Northeim.

Ende 2024 soll der Neubau fertig sein und an die Mieterin UMG zur Einrichtung der Technik übergeben werden, sagte Rainer Koch. Nach der Baugenehmigung Ende 2023 nach schnellen fünfeinhalb Monaten Bearbeitungszeit des Antrags im Northeimer Rathaus konnten bereits die Bauarbeiten auf dem gut 9000 Quadratmeter großen Areal südlich des Albert-Schweitzer-Weges beginnen. Dort entsteht ein Praxisgebäude mit 429 Quadratmetern Nutzfläche und 148 Quadratmeter großem Technikkeller. Insgesamt werden laut Bauherren 1100 Kubikmeter Stahlbeton verbaut, allein im 70 Quadratmeter großen Bestrahlungsbunker gibt es wegen der hohen Strahlenschutzanforderungen sehr dicke Wände und eine ebensolche Decke. Bei der größten Wanddicke wird der Beton 2,78 Meter messen. Das Gebäude wird durch große Photovoltaikanlagen auf dem Dach und im Freigelände sowie Speicher rechnerisch autark sein; für die Bestrahlungen wird punktuell sehr viel Strom benötigt. Eine Wärmepumpe sorgt für das energetische Klima. Insgesamt investieren Bauherr und UMG (Geräte, Einrichtung) deutlich mehr als zehn Millionen Euro für das neue Strahlentherapiezentrum. Etwa zehn neue, vor allem hochspezialisierte Arbeitsplätze werden geschaffen: Ärzte, medizinische Fachangestellte für Strahlentherapien und auch Physiker.
Heute wohnen Patienten durchschnittlich 72 Kilometer vom nächsten onkologischen Zentrum entfernt, rechnet Prof. Dr. Stefan Rieken vor. Strahlenpatienten aus dem Raum Northeim legen dadurch für ihre Behandlungen etwa 360.000 Kilometer pro Jahr zurück, sagt der Facharzt für Strahlentherapie. Diese Wege werden sich mit dem neuen Zentrum in Northeim deutlich verkürzen. Zumal auch in Northeim ein Gerät installiert wird, das technisch ebenso modern ist wie in Göttingen, es also gar keinen Grund mehr gibt für Behandlungsfahrten nach Göttingen. Heute wird das Gerät in Göttingen täglich von 133 Patienten besucht, auch dieser Wert wird dann wieder sinken. Die Strahlentherapie und die Radioonkologie gehören zu den wichtigsten Behandlungsmöglichkeiten von Tumoren. Das neue Strahlentherapiezentrum in Northeim stärke nicht nur den Gesundheitsstandort in der Kreisstadt, sondern der gesamten Region, sagte Northeims Bürgermeister Simon Hartmann beim Spatenstich. Seit 20 Jahren versuche er die Strahlentherapie in Northeim zu etablieren, damit die langen Wege für die Patienten wegfallen, freute sich Jörg Seraphin, einer der Investoren, der selbst Mediziner ist, über die sich abzeichnende Lösung.

