Rücksicht macht Wege breit: Mehr Verständnis zwischen Landwirtschaft und Radfahrern

(c) Foto: Frank Bertram

Die Fahrrad-Saison hat begonnen – und da denken viele Radler, sie seien in Feld und Flur stets auf „öffentlichen Wegen“ unterwegs. Dabei gehören viele Wirtschaftswege den Feldmarksinteressentenschaften, sind die Landwirte auch abends und an Wochenenden dort mit ihren Traktoren und Maschinen auf „ihren Wirtschaftswegen“ zur Feldarbeit und Ernte unterwegs. Da kann es schon mal eng werden und zu Konflikten kommen. Die jetzt im Landkreis Northeim gestartete Kampagne „Rücksicht macht Wege breit“ will die gegenseitige Rücksichtnahme von Radfahrenden und Landwirten auf Wirtschaftswegen stärken und um Verständnis werben. Im Landkreis Northeim ist das Thema besonders wichtig, da ein Großteil des Radroutennetzes auf Wirtschaftswegen liegt.

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Werben für gegenseitig Rücksichtnahme aus Wirtschaftswegen (v.l.): Matthias Zaft (Stadt Einbeck), Gerhard Mika (Ortsrat), Friedhelm Ewig (Landwirt und Feldmarksinteressenschaft Brunsen), Dieter Scholz (Ortsrat) und Albrecht Wille (Feldmarksinteressenschaft Brunsen). Foto: Frank Bertram

Auch der Verbindungsweg Falkenhorst von Brunsen in Richtung Voldagsen ist ein ausgewiesener, beliebter Radweg. Aber es ist eben auch ein Wirtschaftsweg, den Landwirte wie Friedhelm Ewig intensiv nutzen und für deren Erhaltung die Feldmarksinteressenschaft Brunsen sorgt. Probleme in der Vergangenheit sind gelöst, zwischen der Stadt Einbeck und der Feldmark Brunsen wurde jüngst eine Vereinbarung geschlossen, die unter anderem einen Teil der Haftung an die Stadt überträgt. Dennoch gilt auch hier: „Die Radfahrer sind Gast auf fremden Wegen“, sagt Matthias Zaft, Sachgebietsleiter Straßen- und Grünflächenmanagement bei der Stadt Einbeck. Ein Appell, Rücksicht aufeinander zu nehmen, steht in Brunsen schon länger auf einem Schild am Wegesrand, jetzt ist es ergänzt um das Kampagne-Motiv „Rücksicht macht Wege breit“.

Durch die Beschilderung von Wirtschaftswegen mit dem eindrücklichen Slogan und Piktogramm wirbt „Rücksicht macht Wege breit“ für ein gegenseitiges Verständnis. Um Konflikten von Radfahrenden und Landwirten vorzubeugen und das Miteinander zu stärken, liegt dem Landkreis Northeim und dem Landvolk Northeim-Osterode diese Kampagne besonders am Herzen. Landrätin Astrid Klinkert-Kittel: „Ich möchte alle Wegeeigentümer dazu einladen, die kostenfreien Schilder zu bestellen“. Sie können wetterfeste Hinweisschilder im A3 Format bis zum 12. April kostenfrei beim Landvolk Northeim-Osterode ordern. Die Stadt Einbeck hat zunächst zehn Schilder bestellt und wird diese an verschiedenen Radwegen/Wirtschaftwegen aufstellen.

Hintergrund

Im  Landkreis Göttingen wird die Kampagne „Rücksicht macht Wege breit“ bereits seit dem Jahr 2016 umgesetzt. In einer ersten Ausgaberunde wurden dort rund 300 Schilder an Wegeeigentümer übergeben. Seit 2020 wurde die Aktion über den Masterplan Radwege auf den gesamten Landkreis Göttingen ausgeweitet. Die Kampagne „Rücksicht macht Wege breit“ ist mittlerweile auch bundesweit ein großer Erfolg: Seit dem Gewinn des zweiten Platzes des deutschen Fahrradpreises in der Kategorie Kommunikation im Jahr 2021 sind Schilder mit dem Slogan „Rücksicht macht Wege breit“ in ganz Deutschland verbreitet. Die Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen Niedersachsen/Bremen (AGFK), in der auch der Landkreis Northeim Mitglied ist, hat in Abstimmung mit dem Landkreis Göttingen eine eigene Version des Schildes entwickelt und die Produktion für die Mitgliedskommunen übernommen.

(Mit Pressemitteilung Landkreis Northeim)