Er ist längst eine Institution in Einbeck: der Münsterflohmarkt. Seit 1996 gibt es den Flohmarkt zugunsten der Diakonie, am 1. November wird der 30. Geburtstag offiziell gefeiert. Sechs Mal im Jahr öffnet der Flohmarkt zum Verkauf. Das ausschließlich ehrenamtlich tätige Flohmarktteam besteht heute aus rund 25 Frauen und Männern, erkennbar an den roten Westen. Allen macht es viel Spaß, zu sammeln, zu sortieren, die zum Verkauf stehenden Waren des Flohmarkts attraktiv aufzubauen, zu verkaufen und dabei mit vielen Menschen in Kontakt und ins Gespräch zu kommen. Die Grundidee „Flohmarkt“ ist, Dinge, die andere nicht mehr gebrauchen können und unter Umständen wegwerfen würden, zu Geld zu machen, um damit anderen Menschen helfen zu können. Dank einer guten Organisation wurde das Team von Jahr zu Jahr erfolgreicher. Mit einem Gottesdienst am Sonntag, 1. November, um 10 Uhr in der Münsterkirche St. Alexandri wird das 30-jährige Bestehen gefeiert. Anschließend ist bei einem Empfang die Gelegenheit zum Austausch.
Aus den vergangenen drei Jahrzehnten sind so manche Anekdoten zu erzählen. Das soll im Gottesdienst und beim anschließenden Empfang geschehen können. Die Pastoren Daniel Konnerth und Wolfgang Teicke leiten den Dankgottesdienst, bei dem auch an die Verstorbenen aus dem Flohmarktteam gedacht werden soll. Die Musik kommt von Nikolas Dunkel (Oboe) und Ulrike Hastedt (Orgel). Eine Fotoausstellung mit Lücken soll die Besucher in Erinnerungen schwelgen lassen und ihnen die Möglichkeit eröffnen, eigene Gedanken aus drei Jahrzehnten zwischen altem Geschirr, seltenen Büchern und Dekorativem beizusteuern.
Den ersten Verkauf gab es am 5. Oktober 1996 vor der Marktkirche. Später wurden dann in der Marktkirche, in der Rathaushalle und in der Münsterkirche mit großem Einsatz des Teams und weiterer Helfer beim Auf- und Abbau der Waren verkauft. Pastor Wolfgang Teicke erinnert sich an den Flohmarkt in der Krypta der Münsterkirche – und dass nicht alle anfangs positiv gestimmt waren, der Kirchenraum werde durch den Verkauf entweiht, hieß es damals. Doch die Idee setzte sich langfristig durch, auch weil dadurch in der Kirchengemeinde die eigenverantwortliche Organisation von Tätigkeiten zugunsten der Diakonie gelebt werden konnte, Gemeindeglieder waren nicht mehr allein Helfer des Pastors. Bis heute gibt es im Kirchenvorstand einen Diakonieausschuss, der über die Verwendung des Geldes entscheidet. Mit Hilfe des Münsterflohmarktes wurde die Diakoniestiftung „Nächstenliebe“ in Einbeck aus der Taufe gehoben.
Zum Start 1996 wurden die Mitarbeiter der Hausaufgabenhilfe angesprochen. Gründungsmitglieder sind Gudrun Deiters, Annelore Rüppell, Dagmar Scheil und Hans Gebhardt. Prägend in den vergangenen Jahren waren auch Klaus-Peter Bienotsch, Christian Schulze, Achim Hinz und Rüdiger Fröhlich. Ein erstes festes Quartier hatte der Münsterflohmarkt am Stiftplatz / Ecke Haspel. 2007 folgte dann der Umzug in eine große Halle am Köppenweg, hier konnten bei Firma Alex die Waren auf großer Fläche fest aufgebaut werden. Es war außerdem Raum für ein Bistro und einen Bratwurststand. Schließlich wechselte der Münsterflohmarkt 2013 in den Seitentrakt des Hotel Panorama an der Mozartstraße. Dort stehen mehrere Hundert Quadratmeter auf zwei Ebenen zur Verfügung, aktuell findet an sechs Sonnabend-Terminen Verkauf statt. Premiere im Panorama war am 23. November 2013. Mittwochs ist Spendenannahme von 9 bis 12.30 Uhr; an dem Mittwoch vor einem Flohmarkt-Sonnabend ist keine Warenannahme. Der nächste Verkauf-Sonnabend ist am 14. November.
Unverändert kommen Sachspenden für den Münsterflohmarkt. Dieser bietet Bekleidung und Haushaltstextilien, Haushaltsartikel, Geschirr und Gläser, Spielzeug, Elektrogeräte und Elektronik, CDs, DVDs und Schallplatten, Bücher sowie Dekoratives – auch für Weihnachten und Ostern.
Was motiviert das 25-köpfige überkonfessionelle Team, beim Münsterflohmarkt mitzumachen? Es sei die gelebte Gemeinschaft, in der aufeinander geachtet wird, die vielen eine Aufgabe, Anerkennung und Struktur sowie das gute Gefühl gebe, etwas Sinnstiftendes zu tun, sagen Beate Austin und Detlev Ziemke, die sich heute um Leitung und Organisation kümmern.
Die Erlöse des Münsterflohmarktes flossen zunächst an spontane Projekte. Mittlerweile werden von der Diakonie mit den Erlösen Schuldner- und Lebensberatung finanziert, ebenso Überbrückungshilfe und Haushaltshilfe. Die Erlöse helfen auch, wenn Konfirmanden einen Zuschuss benötigen, um an Konfi- oder Familien-Freizeiten teilnehmen zu können. 2010/11 wurde unter anderem mit dem Kapital aus dem Flohmarkt die Diakoniestiftung gegründet. Heute sind Dauerprojekte, die unterstützt werden, der Besuchsdienst „gemEINsam“ und das Projekt „Kinder stark machen“.

