Sie wäre vor wenigen Tagen 90 Jahre alt geworden: Gunhild Liljequist. Der PS-Speicher widmet der 2022 verstorbenen VW-Designerin eine Sonderausstellung. Zur Eröffnung kam ihre Schwester Wilgard Terzenbach aus Hamburg. „Dass sie so geehrt wird, ist Wahnsinn“, freut sie sich. In der Sammlung Automobil des PS-Speichers wird Leben und Wirken sowie ein kleiner Teil ihres großen Schaffens gezeigt. Bei einem der drei gezeigten Fahrzeuge müssen Besucher schnell sein: der original Golf GTI ist nur bis 12. April in Einbeck zu sehen, im 50. Jubiläumsjahr des Golf GTI wird die Leihgabe aus Wolfsburg andernorts gebraucht.
Den Namen würden viele nicht auf Anhieb kennen, sagt PS-Speicher-Direktorin Anika Schmitt. Aber vieles von Gunhild Liljequist hätten Autofans schon gesehen, beim GTI beispielsweise das Karomuster der Sitze oder den legendären Golfball als Schaltknauf. Alles Ideen mady by Gunhild Terzenbach, wie sie damals noch hieß, als die gelernte Porzellanmalerin 1964 zu VW kam. Sie blieb bis zu ihrem Ruhestand 1991 im Volkswagenwerk in Wolfsburg und prägte als erste Frau in der Volkswagen-Abteilung „Farben und Stoffe“ das Erscheinungsbild vieler Fahrzeuggenerationen nachhaltig. Gunhild Liljequist habe Autos visuell und emotional gedacht, sagte Schmitt. Immer mit dem sicheren Gefühl für Farben habe Liljequist die Kunst auf Räder gestellt, ohne ihre Designs wären Autos langweilig geworden. „Oder würden wir heute sonst über Sitzmuster sprechen“, fragte Anika Schmitt eher rhetorisch.
Die Idee zur Sonderausstellung hatte Marco Strohmeier aus Holtershausen. Er recherchierte zu seinem samtroten Sonderkäfer, dem er 2007 eine eigene Website widmete. 2015 und 2019 organisierte Marco Strohmeier Treffen von Sammlern des VW-Sondermodells, holt die Designerin ins Bewusstsein der Oldtimerszene. Bei beiden Veranstaltungen war Gunhild Liljequist zu Gast. Er habe sie als charmante und bescheidene Frau kennenlernen dürfen, der man gerne zugehört habe, wenn sie von ihren Design-Zeiten erzählte, sagte Strohmeier. Bis zu ihrem Tode 2022 hielt Marco Strohmeier den Kontakt mit Gunhild Liljequist, besuchte sie gemeinsam mit der Journalistin Jeanette Nentwig in Hamburg, die eine Biografie über die Designerin schrieb. Für die Schau durften sie den privaten Nachlass durchsehen. Die Sonderausstellung zeigt dadurch einige unveröffentlichte Fotografien. Zur Ausstellungseröffnung waren ihre Schwester Wilgard Terzenbach sowie ihre Nichte Vanessa Gunhild Neubauer-Braasch („auf meinen zweiten Vornamen hat meine Großmutter geachtet“) nach Einbeck angereist, die sich bei den Ausstellungsmachern für die Würdigung bedankten.
PS-Speicher-Ausstellungsmacherin Andrea Schlicht wies darauf hin, dass in der Schau das Leben und Wirken von Gunhild Liljequist thematisiert wird: Wie alles anfing mit Porzellanmalerei, über die spätere Leidenschaft als Malerin. Außerdem sind drei Fahrzeuge mit Liljequist-Design zu sehen, ferner Original-Grafik und Werbung für die Sondermodelle. Neben dem Golf GTI steht der samtrote Sonderkäfer, für den Gunhild Liljequist 1984 das gesamte Design verantwortete – die samten Sitzbezüge in ihrer Lieblingsfarbe Rot mit blauen Streifen. Auch zu sehen ist ein VW 1200 Sondermodell „50 Jahre Käfer“ aus dem Jahr 1985. Dieser „Jubiläumskäfer“ gilt als letztes offizielles Käfermodell für Europa – und für den hatte sich die Design-Abteilung von Gunhild Liljequist noch einmal etwas Besonderes einfallen lassen: zinngraue Metallic-Lackierung, doppelter Zierstreifen über dem Trittbrett, ein Vierspeichen-Sportlenkrad und Stoffsitze mit grau-roten Streifen.
Die Sonderausstellung ist im regulären Eintrittspreis der Sammlung Automobil (12 Euro) enthalten, die Schau in der Bismarckstraße in Einbeck zu sehen.
