Eine fotografische Investition in die Zukunft nimmt aktuell die Stiftung Eicke’sches Haus vor: Das gesamte Bildprogramm auf der Fassade des vier Jahrhunderte alten Denkmals aus der Renaissancezeit wird dreidimensional erfasst und fotografiert. Mit dem Ergebnis würde es im Fall der Fälle einmal leichter fallen, einzelne Teile oder die gesamte Fassade des 1612 errichteten, zuletzt 2006 komplett sanierten Juwels der Holzschnitzkunst zu rekonstruieren, begründete der Vorsitzende der Stiftung Eicke’sches Haus, Gerald Strohmeier, die insgesamt eine Summe von rund 20.000 Euro umfassende Investition. Beauftragt mit der Aufgabe ist das Unternehmen von Sascha Poht aus Durach/Allgäu.
Das aktuell vorliegende, zweidimensional Bildmaterial von den 42 Bildplatten und rund 110 Köpfen würde Holzbildhauern nicht genügen, um das Bildprogramm des Renaissancebaus mit seinen Abbildungen der Künste, der Planeten, der Tugenden oder der Wissenschaften zu rekonstruieren, sagt der Vorsitzende der Eigentümerin des mehr als 400 Jahre alten Gebäudes, Gerald Strohmeier. Deshalb habe sich die Stiftung Eick’sches Haus entschlossen, die Fassade dreidimensional aufnehmen zu lassen. In der Woche nach Ostern haben Haiko und Sascha Poht viele Stunden auf den Hebebühnen vor den zwei Fassaden zugebracht, um die Bildtafeln aus der Nähe zu fotografieren. Der größtenteils bedeckte Himmel sei dabei ideal gewesen, erzählt Haiko Poht, blauer Himmel und direkte Sonnenstrahlen wären weniger gut für den Zweck der Fotos.
Die einzelnen Tafeln und plastischen Figuren sind von allen Seiten einzeln fotografiert worden, also von vorn, von oben, von unten, von links und von rechts. Etwa 50 Fotos entstehen beispielsweise bei einem geschnitzten Kopf, erläutert Sascha Poht. Die Methode der Photogrammetrie erstellt daraus ein 3D-Modell. Grundlage für die Größenverhältnisse und damit die Skalierung ist ein Laserscan der Fassaden. Durch die Verarbeitung von Bildern von verschiedenen Blickwinkeln und Perspektiven wird die räumliche Geometrie der Objekte rekonstruiert. Mit Hilfe von spezieller Software werden die Bilddaten analysiert und Punktwolken, Oberflächenmodelle oder texturierte 3D-Modelle generiert. Insgesamt sind 20.000 Einzelbilder und mehr als 1 Terrabyte Rohdaten zusammengekommen. Diese werden im Stadtarchiv Einbeck dauerhaft gesichert.
Mit den Rohdaten lassen sich jetzt dreidimensionale Ansichten rechnen. Dieser zweite Schritt ist durch die Datenfülle sehr aufwändig. Wofür konkret die Stiftung das gesicherte Material einmal nutzen will, beispielsweise für einen dreidimensionalen „Flug“ an der Fassade entlang für ein Video oder touristisch für ein „sprechendes Haus“, ist noch nicht entschieden. Die fünf Sinne (Gesicht, Gehör, Geruch, Geschmack und Gefühl), die Planetengottheiten (Mond, Venus, Sonne, Jupiter, Merkur, Saturn und Mars), die freien Künste (Grammatica, Musica, Arithmetica, Rhetorica, Geometrica und Dialectica) oder die Musen (Freude, Liebesdichtung, Gesang, Geschichte, Tanzkunst und Komödie) aus dem 3D-Drucker wären jetzt möglich.

